StripCompact: Neues Verfahren soll Stickstoff aus Gärresten effizient nutzbar machen
Verfahren und Produkte
Im Projekt „StripCompact2“ arbeiten die Technische Universität Berlin, die REW Regenis GmbH und die BioStrategie SD GmbH gemeinsam an der Weiterentwicklung eines Verfahrens zur Ammoniakstrippung von Biogas-Gärresten. Das Besondere: Zur Trocknung der Feststofffraktion und zur Erzeugung des Strippgases wird das Abgas des BHKW genutzt. Laborversuche im Vorläuferprojekt hatten gezeigt, dass ein CO₂-Anteil von rund 20 Prozent im Abgas die Ammonium-Konzentration in der Waschlösung deutlich erhöht. Im Kondensator entsteht daraus eine wässrige Ammoniaklösung, die laut Angaben der Projektpartner auch im ökologischen Landbau als Dünger eingesetzt werden kann.
Als vermarktungsfähige Produkte nennen die Projektpartner Ammoniakstarkwasser mit hoher Stickstoffkonzentration als Hauptprodukt sowie als Nebenprodukte eine 24-prozentige Ammoniumsulfatlösung beziehungsweise daraus weiterverarbeitetes Ammoniumsulfat-Granulat.
Mehr Wirtschaftsdünger im Fermenter möglich
Wie bei der Gärreststrippung üblich, lässt sich durch Rückführung der stickstoffreduzierten Gärreste in den Fermenter der Ammoniakgehalt im Gärprozess steuern. Das eröffnet laut den Projektpartnern die Möglichkeit, größere Mengen stickstoffreicher Substrate wie Hühnertrockenkot oder Schlachtabfälle einzusetzen, ohne dass es zu einer biologischen Hemmung des Gärprozesses kommt – ein Aspekt, der zu den Zielen der deutschen Bundesregierung passt, mehr tierische Wirtschaftsdünger für die Biogas- und Biomethanerzeugung zu erschließen. Die zeitweise Temperaturerhöhung der Substrate auf über 70 °C soll zudem einen stärkeren Aufschluss der Organik und damit eine höhere Biogasausbeute begünstigen. Die dafür nötige Wärme liefert die Abwärme des BHKW.
Wirtschaftlichkeit für kleinere Anlagen im Blick
Eine im Vorläuferprojekt erstellte Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für eine StripCompact-Anlage an einer 500-kWel-Biogasanlage kam bei einer Investition von 550.000 Euro auf eine Rendite von knapp 30 Prozent und eine Amortisationsdauer von rund 2,4 Jahren – pflanzenbauliche Vorteile wie eine verbesserte Spurenelementversorgung oder Effekte auf den Humusaufbau waren dabei noch nicht eingerechnet. Aufgrund der im Vergleich zu herkömmlichen Strippanlagen niedrigeren Investitionskosten sehen die Projektpartner Potenzial, das Verfahren auch für kleinere und mittlere Biogasanlagen wirtschaftlich attraktiv zu machen, die bislang meist keine Gärrestaufbereitung betreiben.
Ausblick
Mit der geplanten Demonstrationsanlage wollen die Projektpartner die bisherigen Laborergebnisse unter Praxisbedingungen überprüfen. Bis Ende 2028 soll sich zeigen, ob das StripCompact-Verfahren tatsächlich Marktchancen hat. Angesichts steigender Preise für mineralische Stickstoffdünger – deren Herstellung von Erdgas abhängt – könnte ein solches Verfahren perspektivisch einen Beitrag zur Versorgung mit organischen Düngemitteln leisten.
Nachfolgend der Link zur Pressemitteilung der FNR: Neues Verfahren ‚StripCompact‘: Stickstoff aus Biogas-Gärresten effizient und kostengünstig gewinnen – FNR
Bildquelle: Terrawater GmbH

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