Entwicklungen
Sichere und ausreichende Versorgung mit Energie ist eine wesentliche Säule des westlichen Wohlstands. Diese Säule ist durch das nahezu einseitige Stützen auf fossile Energieträger aus politisch unsicheren Regionen und auch durch den Treibhauseffekt brüchig geworden. Eine mögliche Alternative ist Biogas – es kommt aus der Region und schafft heimische Wertschöpfung. Die Technik ist ausgereift und die Versorgungssicherheit mit Rohsubstrat wird gewährleistet. Im Vergleich mit anderen biogenen Energieträgern schneidet Biogas in der Effizienz wesentlich besser ab, es wird daher seine Bedeutung als erneuerbare Energiequelle weiter ausbauen.
Derzeit ist Biogas hauptsächlich noch Treibstoff für Stromaggregate, die daraus Ökostrom und Wärme erzeugen. Die in Biogasanlagen istallierten Blockheizkraftwerke (BHKW) erfuhren in den letzten Jahren wesentliche Weiterentwicklungen. Der elektrische Wirkungsgrad liegt je nach Anlagengröße zwischen 35 und 42%. Im Vergleich dazu erzielen modernste kalorische Kraftwerke elektrische Wirkungsgrade von 40% (Kohlekraft) – 55% (Gas und Dampfturbine). Trotz sehr junger Technik kann demnach bereits heute und sicher auch in Zukunft von einem hohen Standard hinsichtlich Verstromungswirkungsgrad gesprochen werden.
Biogas ist neben der Speicherwasserkraft der einzige speicherbare erneuerbare Energieträger und kann in Zukunft vorallem Stromdienstleistungen wie z.B. saisonale und tägliche Lastanpassungen, Regelleistung, Momentanreserve und Blindleistung liefern (siehe http://www.kombikraftwerk.de).
Aufbereitetes Biogas hat eine ähnliche chemische Zusammensetzung wie Erdgas. Deshalb sind die angestrebten Ziele für die Zukunft das Einspeisen von aufbereitetem Biogas ins Erdgasnetz sowie der Verkauf von Biogas an der Tankstelle. Aufgrund der stetigen Verbreitung erdgasbetriebener Fahrzeuge und Erdgastankstellen wird somit die Verwertung von Biogas als Kraftstoff möglich.
Nur durch ein Miteinander aller Akteure können die notwendigen Voraussetzungen im rechtlichen und infrastrukturellen Bereich für eine rasche Verbreitung dieser innovativen und umweltschonenden Technologie in Österreich geschaffen werden.
Grüne Bioraffinerie
Als Grüne Bioraffinerie werden komplexe Systeme nachhaltiger, umwelt- und ressourcenschonender Technologien zur umfassenden stofflichen und energetischen Nutzung bzw. Verwertung von nachwachsenden Rohstoffen bezeichnet. Die Grundidee dabei ist, dass in Analogie zu einer Erdölraffinerie der Rohstoff „Grünlandbiomasse“ (z.B. Gras, Klee, Luzerne etc.) in einer einzigen Verarbeitungsanlage möglichst vollständig und abfallfrei in eine Vielzahl verkaufbarer Produkte umgewandelt wird, z.B. chemische Grundstoffe, Kraft-/Brennstoffe, Faserprodukte, Werkstoffe.
Ein wesentlicher Verfahrensschritt in einer Grünen Bioraffinerie Anlage ist jener der mechanischen Fraktionierung der primären Rohstoffe (Grünlandbiomasse) in eine flüssige Fraktion (Presssaft) und in eine feste Fraktion (Presskuchen). Der Presssaft enthält wasserlösliche Wertstoffe (z.B. Milchsäure, Aminosäuren, Proteine), der Presskuchen besteht zum überwiegenden Teil aus Fasermaterial. Milchsäure ist ein wichtiger Rohstoff für die industrielle Produktion. So werden aus Milchsäure z.B. kompostierbare Materialien und Lösungsmittel hergestellt. Die feste Fraktion kann dann in einer Biogasanlage energetisch genutzt oder zu anderen Produkten, wie z.B. Dämmstoffe weiterverarbeitet werden. Für Biogasanlagen, welche dieses Konzept umsetzen können bietet sich damit die Chance, neben Strom, Wärme/Kälte und/oder Kraftstoff auch Produkte für den industriellen Bedarf bereitzustellen. Die ermöglicht eine breitere Aufstellung auf dem Markt und fördert dadurch eine bessere Absicherung in Krisenzeiten.
