Europas Industrie fordert Biomethan-Turbo
Die Joint Biomethane Declaration wird von einem breiten Bündnis führender europäischer Industrie‑, Landwirtschafts- und Energieverbände getragen, darunter u. a. die European Biogas Association (EBA), der Chemieverband Cefic, die Papierindustrie (Cepi), der Verband der Düngemittelhersteller (Fertilizers Europe), Vertreter der Lebensmittelverarbeitung (PFP), die europäische Land- und Agrarkooperationsseite (Copa‑Cogeca) sowie weitere Industrie‑ und Energienetzwerke. Die gemeinsame Botschaft dieser namhaften Akteure: Biomethan ist keine Randtechnologie, sondern ein zentrales Element für die Re‑Industrialisierung Europas, seine Energie‑Souveränität und den Übergang zur Klimaneutralität. Indem sich große industrielle Nachfrager klar zu Biomethan bekennen, senden sie ein starkes Marktsignal an Politik und Investoren, dass es einen realen, wachsenden Bedarf nach erneuerbarem Gas gibt. Das eröffnet Chancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Landwirt:innen und Anlagenbetreibern bis hin zu energieintensiven Industriezweigen.
Die Erklärung verweist auf die angespannte Situation vieler europäischer Industriebetriebe: Hohe Energiepreise, steigende CO₂‑Kosten und regulatorische Belastungen setzen insbesondere energieintensive Branchen wie Chemie, Metall, Papier, maritime Logistik und Düngemittelproduktion unter Druck; in einigen Bereichen sind bereits Produktionskürzungen und Standortschließungen Realität. Gleichzeitig werden in Europa schon heute rund 22 Milliarden Kubikmeter Biogas und Biomethan erzeugt, die sich nahtlos in bestehende Energiesysteme und Gasinfrastrukturen integrieren lassen. Als heimisch produzierter Energieträger stärkt Biomethan die Unabhängigkeit von globalen Gasmärkten und reduziert die Verwundbarkeit gegenüber Preisschocks – ein entscheidender Faktor in einer Situation, in der die EU noch etwa 90% ihres Gases importiert. Damit wird Biomethan zu einem strategischen Baustein, um internationale Krisen besser abzufedern.
Besonders deutlich stellt die Erklärung den Zusammenhang mit der aktuellen Krise im Nahen Osten heraus, die globale Gas- und Ammoniakströme beeinflusst und damit auch die Verfügbarkeit von fossilem, industriell genutztem CO₂ einschränkt. Schon heute werden in Europa etwa 1,17 Millionen Tonnen biogenes CO₂ aus Biogas- und Biomethanprozessen abgeschieden – rund 14% der europäischen Nachfrage nach flüssigem und festem CO₂. Hinzu kommen rund 25 Millionen Tonnen Gärreste pro Jahr, die als Dünger und Bodenverbesserer eingesetzt werden können, während die EU 2024 noch 24,2 Millionen Tonnen synthetischer Düngemittel importiert hat. Biomethan verbindet damit Energie‑ und Ernährungssicherheit, indem es gleichzeitig eine stabile, erneuerbare Gasversorgung und heimische Nährstoffkreisläufe unterstützt.
Für die Unterzeichner ist klar: Biomethan ist ein kosteneffizientes Instrument der industriellen Defossilisierung, das sofort Emissionen senkt und gleichzeitig Versorgungssicherheit bietet. In vielen „hard to abate“-Sektoren bleiben gasförmige Energieträger und Einsatzstoffe technisch notwendig – genau hier sehen die Industrieverbände in nachhaltigem Biomethan eine tragende Säule, um schrittweise von fossilem Erdgas auf erneuerbare Moleküle umzustellen. Über die reine Energieanwendung hinaus ist Biomethan für sie ein Kernstück der europäischen Kreislaufwirtschaft: Co‑Produkte wie Gärreste und biogenes CO₂ eröffnen neue Wertschöpfungspfade für Landwirtschaft, Industrie und Logistik. Die gemeinsame Erklärung versteht Biomethan daher explizit als Chance, Klima‑, Industrie‑, Energie‑ und Agrarpolitik enger miteinander zu verzahnen.
Um dieses Potenzial zu heben, formuliert die Erklärung zehn prioritäre Maßnahmen für Politik und Regulierung. Dazu zählen insbesondere: die volle Anerkennung des Beitrags von Biomethan zu den EU‑Klima‑ und Energiezielen einschließlich des REPowerEU‑Ziels von 35 Milliarden Kubikmetern bis 2030, der Abbau administrativer Hürden, gezielte Skalierungsunterstützung, die Harmonisierung nationaler Fördersysteme sowie integrierte Netzausbau‑ und Planungsprozesse inklusive beschleunigter Netzzugänge. Die Unterzeichner betonen, dass das Hochfahren von Biomethan in großem Maßstab eine gemeinsame Verantwortung und zugleich eine große Chance darstellt: Mit dem richtigen Rahmen kann Biomethan heute Emissionen senken, Europas Energie‑ und Ernährungssicherheit stärken und die Transformation der Industrie Richtung Klimaneutralität beschleunigen.

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