Energie versus Ernährung

Aufgrund der heutigen vorliegenden Erkenntnisse kann mit Gewissheit, gesagt werden, dass „Bioenergie“ durchaus zu Flächen-Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion führen kann, es aber nicht automatisch muss. Es kommt sehr stark drauf an, welche Arten von Biotreibstoffen forciert werden und welche politischen Rahmenbedingungen für ökologisch und sozial nachhaltige Bioenergieproduktion gesetzt werden.

 

energie-ernaehrung

 

Diese Abbildung verdeutlicht sehr gut, dass Nahrungsmittel- und Biogasproduktion nicht unbedingt in Konkurrenz stehen müssen. Beides ist auf ein und derselben Fläche möglich. Diese Berechung basiert auf 1 ha ertragsreicher Ackerfläche in Österreich: nach der Ernte der Hauptfrucht (z.B.: Weizen für die Nahrungsmittelproduktion) wird eine Nachfrucht oder auch Zwischenfrucht genannt, angepflanzt und geerntet. Mit dem Weizenertrag kann eine siebenköpfige Familie sehr gut ernährt werden [Boxberger BOKU 2005]. Die gespeicherte Sonnenenergie in der Zwischenfrucht wird in der Biogasanlage genutzt und wird in Form von elektrischer und thermischer Energie oder als Kraftstoff für PKWs für weitere Anwendungen zur Verfügung gestellt.

 

D.h. aus einem Hektar Zwischenfrucht kann Strom und Wärme für einen österreichischen Haushalt bereitgestellt werden und überdies stehen noch 22.000 PKW km in Form von Kraftstoff zur Verfügung. Somit ist auf einem Hektar Nahrungsmittel- und Energieproduktion sehr gut möglich. Der anfallende Fermentationsrückstand kann als wertvoller Dünger für die nachfolgende Pflanze auf dem Feld eingesetzt werden. Somit schließt sich ein einzigartiger, biologischer, nachhaltiger Kreislauf. Neben nachwachsenden Rohstoffen wie z.B. Silomais, Sonnenblumenganzpflanzen, Feldfutter, Zwischenfrüchte etc. sowie die Aufwüchse des Grünlandes und landwirtschaftliche Reststoffe wie Gülle oder Festmist von Rindern, Schweinen und Hühnern können  vergoren werden. Ebenso können außerlandwirtschaftliche Reststoffe aus Industrie, Gewerbe und Kommunen wie z.B. Schlachtabfälle, Fettabscheiderinhalte, und Speisereste aus Großküchen etc. vergoren werden. Nur Biogas hat eine reiche Palette an Einsatzstoffen, und die Vielseitigkeit macht die Erschließung riesiger ungenutzter Rohstoffpotenziale möglich. Der vor wenigen Jahren begonnene Weg der Pflanzenvergärung mit Silomais stellt demnach nur den Beginn einer vielversprechenden Entwicklung dar.