ECN QAS

Europäische Qualitätssicherung für Kompost geht an den Start

Qualitätssicherungssysteme für Komposte und Gärprodukte etablierten sich in den letzten 20 Jahren in zahlreichen Ländern Europas erfolgreich. Sie sind ein wesentliches Element der nachhaltigen Verwertung von organischen Reststoffen. Aufgrund der positiven Eigenschaften der organischen Dünge- und Bodenverbesserungsmittel, dem Bedarf an organischer Substanz, steigender Preise in der Düngemittelindustrie ist die Nachfrage nach Qualitätskomposten gestiegen. Diese Entwicklung und das Vorhaben einer europäischen Abfallenderegelung für Kompost ließen den Ruf nach einem europaweit einheitlichen Qualitätsstandard für Kom-postanlagen und Kompostprodukte immer lauter werden. Das Europäische Kompostnetzwerk (ECN) hat sich dieser Herausforderung gestellt und im Rahmen seiner Arbeitsgruppe „Standardisierung und Qualitätssicherung“ ein Konzept für ein Europäisches Qualitätssicherungssystem entwickelt. Dieses enthält nicht zuletzt einen Standard für einen Qualitätskompost, der für einen freien Warenverkehr in der EU erforderlich ist.

Flankiert durch die seit Jahren anhaltende Diskussion um eine EU-weite Regelung für Bioab-fall, die jüngst in der Mitteilung der EU-Kommission über Bioabfall mündete [1], und die Absicht das „Ende der Abfalleigenschaft“ von Kompost in der Abfallrahmenrichtlinie [2] zu regeln, hat sich das ECN seit 2004 damit befasst, basierend auf den bestehenden Quali-tätssicherungssysteme (QS) und Erfahrungen in den Mitgliedsorganisationen, ein europaweites Konzept für eine Qualitätssicherung von Kompost (ECN-QAS) zu entwickeln.

 

Ziele des europäischen Konzepts
Mit dem Aufbau eines europäischen Qualitätssicherungssystems für Kompost wird das Ziel, verfolgt einen europaweiten Standard für Qualitätsmanagement und Qualitätskompost zu definieren. Voraussetzung für eine gleichbleibende Kompostqualität ist, dass die Kriterien an den Behandlungsprozess harmonisiert und durch eine unabhängige und regelmäßige Kontrolle überprüft werden. Das ECN-QAS verfolgt das Anliegen, die bestehenden Qualitätssicherungssysteme in Europa auf eine gemeinsame Grundlage zu stellen und Län-der, bei der Definition von Qualitätskriterien und dem Aufbau eines Qualitätssicherungssys-tems für Komposte zu unterstützen.

 

Inhalte des ECN-QAS
Das ECN-QAS stellt ein unabhängiges Qualitätssicherungssystem dar, in dem in erster Linie einheitliche Anforderungen an Qualitätssicherungsorganisationen und deren QS-Systeme für Kompost formuliert sind. Darüber hinaus sind grundlegende Anforderungen für einen europaweiten Qualitätsstandard definiert, die neben der Positivliste für Ausgangsstoffe, Prozessanforderungen, Produktstandards und Analysemethoden umfasst.

Weitere Informationen unter European Compost Network

Die europäische Qualitätssicherung beinhaltet:

  • die Konformitätsprüfung von Qualitätssicherungssystemen in den europäischen Län-dern mit Vergabe des ECN-QAS Konformitätszeichens,
  • die regelmäßige Begutachtung der Produktionsanlage durch eine nationale Qualitätssicherungsorganisation (NQAO) im Hinblick auf die Anforderungen an den Behandlungsprozess,
  • regelmäßige Probenahmen und Untersuchungen der Produkte auf relevante Qualitätsparameter durch unabhängige Untersuchungslabore sowie durch Prüfung der Ergebnisse auf Einhaltung der Anforderungen durch die NQAO,
  • die Erstellung von Prüfdokumenten durch die NQAO mit Angaben zu den Qualitätsei-genschaften des Produktes, der Einhaltung produktbezogener Rechtsbestimmungen, der erforderlichen Kompostdeklaration sowie Anwendungsempfehlungen nach guter fachlicher Praxis und
  • die Vergabe des Qualitätszeichens durch die NQAO.

 

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Übersicht über das Konzept der Europäischen Gütesicherung (ECN-QAS) für Kompost

 

Qualitätsanforderungen für Kompost
Im Rahmen des ECN-QAS werden Prozessanforderungen für die Herstellung von Kompos-ten gestellt. Diese beinhalten den Einsatz von in einer Positivliste definierten Ausgangsstoffen. Es wurden die Abfallnummern und Bezeichnungen des europäischen Abfallverzeichnisses übernommen und erforderlichenfalls durch Erläuterungen und spezifische Anforderungen ergänzt. Grundsätzlich sind nur getrennt gesammelte organische Abfälle zugelassen.

Des Weiteren werden Anforderungen an das Prozessmanagement und dessen Dokumenta-tion festgelegt. Dies beinhaltet Mindestrichtlinien über die Einhaltung von Prozessparametern zur Gewährleistung einer ausreichenden Hygiene des Produktes. Anhand einer Checkliste wird beim zumindest 2-jährigen Anlagenbesuch durch die NQAO die Anlagenqualität über-prüft und beurteilt.

 

Kompostqualität
Qualitätskomposte besitzen aufgrund definierter Ausgangsstoffe eine weitgehend homogene Zusammensetzung und sind hochwertige Humusprodukte, die als Bodenverbesserungs- und organisches Düngemittel in Verkehr gebracht werden. Sie dienen dazu den Gehalt an orga-nischer Substanz im Boden aufrechtzuerhalten und somit Biodiversität und Bodenfruchtbar-keit positiv zu beeinflussen. Die Düngewirkung des Kompostes lässt sich über die Gehalte an Nährstoffen charakterisieren, wobei längere Durchrechnungszeiträume (Fruchtfolgeperio-den) zugrunde gelegt werden müssen als bei mineralischen Düngemitteln. Weitere Kriterien, die für verschiedene Anwendungen von Kompost, insbesondere beim Einsatz als Misch-komponente in Kultursubstraten, relevant sind, sind u.a. die Pflanzenverträglichkeit, der Salzgehalt und die biologische Aktivität des Materials.

 

Tabelle 1: Qualitätskriterien der europäischen Gütesicherung zur Charakterisierung von Qualitätskompost
ParameterBeurteilung
BodenverbesserungOrganische Substanz≥ 15 %, Deklaration
Basisch wirksame Stoffe (CaO)Deklaration
DüngungNährstoffe (N; P, K, Mg)Deklaration
Biologische ParameterBiologische AktivitätRottegrad/Sauerstoffverbrauch
PflanzenverträglichkeitRichtwert nach Keimpflanzentest, Deklaration
MaterialeigenschaftenWassergehaltRichtwert für Höchstgehalt, Deklaration
Rohdichte/VolumengewichtDeklaration
KörnungDeklaration
pH-WertDeklaration
Elektrische LeitfähigkeitDeklaration

 

Umwelt- und Verbraucherschutzaspekte
Wichtige Parameter für die Nachfrage des Recyclingproduktes stellen die unerwünschten Inhaltsstoffe dar, die in gütegesicherten Qualitätskomposten durch die getrennte Sammlung von Bioabfällen und ein optimiertes Prozessmanagement auf ein Minimum und daher um-weltverträgliches und für die jeweilige Anwendung unbedenkliches Maß reduziert werden können. Hierzu zählen der Gehalt an Schwermetallen sowie Fremdstoffe, wie Plastik, Metalle und Glas und keimfähige Samen und Pflanzenteile.

Für diese Parameter sind zur Erlangung des Qualitätzeichens Grenzwerte einzuhalten. Diese basieren auf einer wissenschaftlichen Studie [3], die im Rahmen der Europäischen Bodenschutzstrategie von der EU Generaldirektion Umwelt in Auftrag gegeben wurde. Die Ableitung dieser Grenzwerte erfolgte auf der vergleichenden Auswertung der bestehenden Kompostqualitäten in Europa unter der Voraussetzung, dass eine getrennte Sammlung der Bioabfälle in den Ländern etabliert ist. Um den Vorsorgeanforderungen des Umwelt- und Verbraucherschutzes gerecht zu werden, wurde die langfristige Anreicherung von Schadstoffen im Boden bei der Ausweisung dieser Grenzwerte mit berücksichtigt.

 

Tabelle 2: Vorsorgeanforderungen des Umwelt- und Verbraucherschutzes
ParameterBeurteilung
Hygiene AspekteSalmonellenkeine in 25 g TS
Unerwünschte InhaltsstoffeFremdstoffe (Glas, Metalle, Kunststoffe)≤ 0,5 % TS
Keimfähige Samen und Pflanzenteile≤ 2 pro Liter
Schadstoffe
Vorsorgeorientierte Grenzwerte
1)
Schwermetallemg / kg TS
Blei (Pb)130
Cadmium (Cd)1,3
Chrom (Cr) 600
Kupfer (Cu)
2)
200
3)
Nickel (Ni)40
Quecksilber (Hg)0,45
Zink (Zn)
2)
600
3)
1) Amlinger, F et al. 2004: Heavy metals and organic compounds in waste used as organic fertilisers.
2) Kupfer und Zink werden als essentielle Nährstoffe eingestuft. Werte über 110 mg Cu kg-1 TM und über 400 mg Zn kg-1 TM sind zu deklarieren.
3) Diese Werte werden als Orientierungswerte eingestuft.

 

Qualitätsüberwachung
Die Qualitätsüberwachung der Komposte erfolgt durch regelmäßige Beprobung und Analyse durch unabhängige Labore, die durch die nationale Qualitätssicherungsorganisation aner-kannt sind. Voraussetzung für die Anerkennung der Labore ist die regelmäßige Teilnahme an Ringversuchen.

Für die Untersuchung werden die Europäischen Normen (EN) zur Untersuchung von Boden-verbesserungsmitteln und Kultursubstraten herangezogen. Die Analysenmethoden werden in der Folge der Entwicklung in der europäischen Methodennormung entsprechend aktualisiert. Es werden aber auch nationale Analyseverfahren, sofern gesetzlich vorgeschrieben, im ECN-QAS akzeptiert.

 

Zertifizierung
Verantwortlich für die Überwachung der Kompostierungsanlage und der Produktqualität ist die, durch das ECN-QAS anerkannte, nationale Qualitätssicherungsorganisation. Die Kon-formitätsprüfung der NQAO erfolgt in regelmäßigen Abständen durch den ECN-Qualitätsmanager. Die Anerkennung spricht schließlich der Güteausschuss (Quality Committee) des ECN aus. Bei erfolgreicher Teilnahme am ECN-QAS wird der nationalen Qualitäts-sicherungsorganisation das ECN-QAS Konformitätszeichen verliehen.

Abb. 3: ECN-Konfomitätszeichen für nationale Qualitätssicherungsorganisationen

Abb. 3: ECN-Konfomitätszeichen

 

 

 

 

 

 

 

Kompostierungsanlagen können bei Nachweis der Einhaltung des ECN-Qualitätsstandards über die nationale Qualitätssicherungsorganisation das ECN-Qualitätszeichen verliehen be-kommen. Die Untersuchungsergebnisse werden an den Güteausschuss des ECN für die Vergabe des Qualitätszeichens übermittelt und geprüft.

Dieses System hebt die Eigenständigkeit nationaler Gütezeichen und Zertifizierungen nicht auf. Es verdeutlicht jedoch im europäischen Kontext eine einheitliche Produktqualität, was auch die Vermarktung über Ländergrenzen vereinfacht.

 

Abb. 4: ECN-Qualitätszeichen für Kompost Ausblick

Abb. 4: ECN-Qualitätszeichen für Kompost

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Informationen

European Compost Network e.V. ECN
Am Lanhagen 64a
D-59302 Oelde
T.: +49 234 4349447
F: +49 234 4349448
E: siebert@compostnetwork.info
I: www.compostnetwork.info